Wirtschaftsforum der Gemeinschaften
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in english Open Space

Was ist „Open Space“ (Offener Raum)?

Open Space wurde in den 80er-Jahren von Harrison Owen in den USA entwickelt und seitdem als Konferenzgestaltung weltweit eingesetzt.  

„Kann man das mit einer Konferenz oder Tagung vergleichen?“ Bei einer Konferenz oder Tagung denkt Mensch an Vorträge mit endlosen Folien, ewigem Sitzen, Langeweile, einem vorgegebenem Programm, das auf alle ein bisschen, doch auf niemanden richtig passt, an Podiumsdiskussionen, die "Schlauere" vorne auf der Bühne führen, an Räume mit Dämmerlicht und dahindämmernder Teilnehmerschaft. Was Mensch sich herbeisehnt sind die angenehmen und kreativen Pausen und das Treffen und den Austausch mit den KollegInnen.

Völlig anders bei Open Space. Es gibt keine vorgegebene Tagesordnung, jedoch eine wichtige vorgegebene "Geisteshaltung" nach welcher sich Open Space Abläufe automatisch ordnen. Das bedeutet, jede(r) Anwesende(r) übernimmt die Verantwortung für die eigenen Erfahrungen, Prozesse, Resultate die in diesem Tagen möglich sind, und damit gleichzeitig Verantwortung für das Ganze.

Zu Beginn der Veranstaltung sind alle dabei, denn am Anfang entsteht die gesamte Arbeits- und Zeitplanung. Dann folgen alle dem, was sie leidenschaftlich interessiert und für das sie etwas in Bewegung setzen wollen. 

„Wie kommt nun diese Struktur zustande?“ Am Anfang sitzen alle in einem Kreis, bei mehr als 50 Teilnehmenden in konzentrischen Kreisen. Nach einer viertelstündigen Einführung in die Grundsätze und das eine Gesetz haben alle die Möglichkeit, in die Mitte des Kreises zu gehen und ihre Anliegen zu benennen. Etwas, das auf den Nägeln brennt, am Herzen liegt, wofür Bereitschaft besteht, Verantwortung zu übernehmen und an dem mit anderen gearbeitet werden soll. Alle Anliegen sind zulässig, auch wenn sie vermeintlich nicht zum Gesamtthema der Veranstaltung passen.

Wenn die Anliegen an der Wand hängen und Zeiten und Arbeitsräumen zugeordnet sind, tragen sich alle dort ein, wo sie mitmachen wollen. Das ist der "Marktplatz". Ist er vorbei, beginnen die Gruppen selbst organisiert zu arbeiten. Sie teilen sich ihre Arbeitszeit und Pausen in dem vorgegebenen Rahmen selbst ein. Manche Gruppen arbeiten zu fünft, andere zu siebenunddreißig, andere zu zweit. Manche TeilnehmerInnen bummeln von Gruppe zu Gruppe. Jede Gruppe fasst ihre Ergebnisse und Verabredungen selbst zusammen und veröffentlicht diese für alle anderen an der "Nachrichtenwand".

Vier Leitsätze unterstützen die TeilnehmerInnen darin, mit minimaler Struktur und maximaler Selbstverantwortung diese auf persönliche Bedürfnisse geformte Gruppenarbeit zu gestalten: 

• Jede/r ist die richtige Person

• Was immer geschieht, es ist das Einzige, was geschehen konnte

• Wann immer es beginnt, es ist die richtige Zeit

• Vorbei ist vorbei

Jeweils abends und morgens und auch zum Schluss der Veranstaltung trifft sich die ganze Gruppe im Kreis, um Erfahrungen und Eindrücke auszutauschen.

Vor oder kurz nach Schluss der Veranstaltung bekommen alle die fertige Dokumentation der Arbeitsgruppenergebnisse in die Hand, komplett mit vollständiger Adressenliste samt Telefon und Email für die Kommunikation, die Weiterarbeit und das Aushecken weiterer Pläne nach dem Open Space. Falls geplant, dient die Dokumentation zur Priorisierung, Zusammenführung verwandter Anliegen und Entwicklung von Handlungsschritten.

Im Gegensatz zu den oben erwähnten und zigmal erlebten "Konferenzen" erfahren die Beteiligten an Ort und Stelle, dass es möglich ist und zudem beglückt, selbstverantwortlich zu handeln, wesentliche Aufgabenstellungen zu erörtern, Führung gemeinsam auszuüben, mit Unterschieden wertschätzend und ressourcenorientiert umzugehen, Pläne zu schmieden und Weiterarbeit zu verabreden. Die Motivation, selbstorganisiert und selbstgesteuert anzupacken, wird von der im Open Space entstehenden Synergie getragen und wandert in das alltägliche Arbeitsleben ein.

Open Space wirkt fort: In den Köpfen, in den Handlungen am Arbeitsplatz, in der Schule, im Stadtteil, in Unternehmensleitungen, in Strategieteams, im öffentlichen Leben, im gesellschaftlichen Diskurs, in der täglichen Meinungsbildung...

Wie das alles genau geschieht, ist noch nicht ausreichend bekannt wird aber sicherlich mit Theorien und Modellen von Selbstorganisierenden Systemen und Lernenden Organisationen weiter erhellt.

Zusammengestellt von Stephan-Josef Dick, Trainer 

 

 

 

Michael M. Pannwitz mit Erfahrung aus über 80 Open Space-Veranstaltungen: 

  • Einen Open Space zu begleiten ist "einfach, aber nicht leicht", so einer der "Sprüche" in der Open Space-Szene. Einfach, weil alles, was im Open Space an Struktur vorgegeben wird, uns vertraut ist. Zum Beispiel, im Kreis zu sitzen. Das gehört zu unseren Grundmustern in Verhalten und Sprache. Wir treffen uns im "Kreis der Familie", nicht im Viereck. Da es aber in Arbeitssettings selten vorkommt, vor allem in einem Kreis von 100 oder 200 Menschen, ist es fremd. Und hier kommt der "nicht leichte" Teil. Es bedarf sorgfältiger Vorbereitung nicht nur des "Space" sondern auch seitens des Veranstalters und der Open Space-Begleitung, den "Space" für die Entfaltung des Potentials der Versammelten in diesem ungewohnt gewordenen Setting.
  • Es gibt eine gute Nachricht über Open Space und eine schlechte. Die gute ist, dass Open Space immer funktioniert. Die schlechte ist, dass Open Space funktioniert immer. Das heißt schlicht: der Veranstalter muss sich darauf einstellen, dass nach dem Open Space die Beteiligten genau das machen werden, was sie im Open Space angefangen haben: selbstorganisiert Dinge in die Hand nehmen. Wenn das gewünscht wird, großartig, wenn nicht, ist hinterher die Hölle los.
  • Open Space eignet sich für alles mögliche, soweit einige Voraussetzungen erfüllt sind. Falls es sich um eine komplexe Angelegenheit handelt, die konfliktträchtig ist, zu der es noch keine Antwort gibt, für die aber eine Antwort überfällig ist und von der unterschiedliche Menschen/Gruppen/Subsysteme betroffen sind, dann passt Open Space. Es ist unnötig, demotivierend und geringschätzend, wenn Menschen zu einer Veranstaltung zusammengerufen werden, bei der das Ergebnis von vornherein feststeht.
  • Richtig spannend wird’s mit Open Space, wenn damit in Unternehmen, Organisationen, Kirchengemeinden, Stadtteilen, Schulen, Vereinen....gearbeitet wird. Hier wandern Open Space Elemente in den Arbeits- und Organisationsalltag ein. Dafür gibt’s noch nicht viele Beispiele. Aber da, wo es stattfindet, zum Beispiel in der Schülervertretung eines Berliner Gymnasiums, führt es zu bisher nicht erlebten Ebenen von Kreativität, Produktivität und Verbindlichkeit. Niemand weiß, wie eine Organisation ausschauen würde, wenn der Open Space-Modus sozusagen ihr ständiges Merkmal wäre. Es gibt erste Anzeichen dafür, dass dies eine "inspirierte" Organisation sein wird, in der wir neue Ebenen von Lernen, Produktivität, Kreativität, Verbindlichkeit, Inspiration, Zusammenarbeit und andere ungeahnte Dinge erleben und reichlich Spaß dabei haben.